20. Januar 2026

LIBERTYBIRD FEIERT SEIN 30-JÄHRIGES JUBILÄUM

Liebe Vogelfreunde_innen, Wegbegleiter_innen, Reiseleiter_innen & Partner

Dieses Jahr feiern wir ein besonderes Jubiläum: 30 Jahre LIBERTYBIRD.

Was 1996 mit einem handgemachten Katalog und einer grossen Vision begann, ist heute eine feste Instanz für ornithologische Reisen im deutschsprachigen Raum. Doch blicken wir kurz zurück: Wie hat alles angefangen?

Die Keimzelle von LIBERTYBIRD liegt im Jahr 1991. Mit der Öffnung der Sowjetunion bot sich mir die einmalige Chance gemeinsam mit dem leider verstorbenen Werner Suter und dem damaligen führenden englischen Reiseveranstalter, fast das gesamte Russland zu bereisen – vom Baikalsee über das Kolyma-Delta bis zum östlichsten Punkt Asiens. Diese professionell und vorbildlich geführten Expeditionen, geprägt von unberührter Natur und Millionen von Seevögeln, legten den Grundstein und den Standard für alles, was folgen sollte…

Die folgenden, unvergleichlichen Pionierreisen sind für mich bis heute die absoluten Highlights und unerreicht geblieben:

Auf diesen Expeditionen wurde LIBERTYBIRD geboren Mario Camici steht in der ersten Reihe von unten links
  • Zentralasien mit Usbekistan, Turkmenistan, Tadschikistan, Kirgisien und Kasachstan – eine unserer frühesten, fast einmonatigen Grossreisen.
  • Eine umfassende Expedition rund um den Baikalsee und durch Burjatien, bis an die mongolische Grenze
  • Reisen nach Ostsibirien, zur isolierten Insel Sachalin und in das geheimnisvolle Ussurien, dem nördlichsten Urwald der Welt
  • Touren durch die abgelegenen Gebiete am und auf dem Fluss Amur, bis nahezu zur Mündung ins Ochotskische Meer
  • Nordostsibirien, von Magadan über Anadyr bis zu den vorgelagerten Inseln mit Millionen von Seevögeln. Weiter entlang der Tschuktschen-Halbinsel an der Beringstraße bis nach Uelen, dem östlichsten Punkt des asiatischen Festlandes
  • Abschliessend Besuche des Kolyma-Deltas, des Nebenflusses Omolon sowie Jakutsk in Zentralsibirien
Löffelstrandläufer im Brutgebiet auf einer früheren Expeditionsreise! © Archiv LIBERTYBIRD

Als mir später ein Freund sein Reisebüro als Basis anbot, reifte der Entschluss zur Unternehmensgründung. Mein Ziel war es, diese spektakulären und inhaltsreichen Reisen auf professioneller Ebene anzubieten – die Geburtsstunde von LIBERTYBIRD, dessen erster Katalog 1996 erschien.

Bei der Gründung verfolgte LIBERTYBIRD das Ziel, das führende Unternehmen für ornithologische und naturkundliche Reisen im deutschsprachigen Raum zu werden. Unser Anspruch: fachkundige, persönliche und abwechslungsreiche Exkursionen in kleinen Gruppen. Dabei bildete höchste Qualität stets den Kern unseres Handelns – getragen von einem Team aus hochqualifizierten Reiseleitern und engagierten Mitarbeitern. Unsere Philosophie blieb dabei immer eindeutig und bis heute unverändert: Wir wollten unseren Kunden und Freunden die wertvollsten und angenehmsten Vogelbeobachtungsreisen bieten, die möglich sind.

Die Verbindung von ‚Kunden und Freunden‘ brachte treffend zum Ausdruck, was LIBERTYBIRD so besonders machte: Wir sahen in unseren Teilnehmenden nie nur Gäste, sondern langjährige Wegbegleiter. Durch die vielen gemeinsamen Jahre auf Reisen wuchs eine tiefe Vertrauensbasis. Für uns war es eine Herzensangelegenheit, dieser Verantwortung gerecht zu werden und diese besonderen Freundschaften niemals zu enttäuschen.

Rückblickend wirkte unser erster, handgemachter Katalog fast amateurhaft – doch er legte den Grundstein für unsere Philosophie: Nachhaltigkeit durch Geben. Mit dem Schweizer Vogelschutz SVS fanden wir einen Partner, der diese Werte teilte. Das Ergebnis war eine beeindruckende, 23 Jahre währende Partnerschaft, durch die LIBERTYBIRD mittels eines jährlichen Fonds insgesamt über 250.000 CHF direkt in den Naturschutz von SVS/BirdLife Schweiz beisteuerte.

In meiner Freizeit gestaltete ich die ersten Reisen und Texte, unterstützt von einem starken Netzwerk aus Agenten und Guides. Dank dieser Kontakte gelang es mir, renommierte Ornithologen als fachkundige Reiseleiter zu gewinnen. Mein damaliger Freund Fredy Grimm bereicherte jede Tour mit seinen stilistisch einzigartigen Zeichnungen. Das Zusammenstellen der Reisen, das Schreiben der Texte, die Bebilderung, ebenso wie das Verpacken und Versenden der 1500 Kataloge, gehörten zu meinen ersten intensiven Erfahrungen.

Ein äusserst grosszügiger Arbeitgeber ermöglichte mir damals den Freiraum, dieses zweite berufliche Standbein parallel aufzubauen.

Bereits im ersten Jahr konnten wir fünf der neun geplanten Reisen erfolgreich durchführen. Zu den frühen Höhepunkten zählten:

  • Malaysia: Unter der Leitung von Beat Wartmann und dem lokalen Experten Denis Joung – eine damals unvergleichliche Kombination.
  • Israel: Begleitet von Stefan Zimmerli und dem bereits damals legendären Hadoram Shirihai.
  • Helgoland: Die Berner Jugendgruppe, die gemeinsam mit Adrian Jordi auf der mystischen Insel nach ornithologischen Raritäten suchte.

Diese bereichernden Erfahrungen bestärkten uns in unserer Philosophie. Seither hat LIBERTYBIRD rund 500 Reisen erfolgreich durchgeführt – darunter zahlreiche Pionierprojekte, die in dieser Form branchenweit zum ersten Mal angeboten wurden.

Immer wieder bestätigte sich für mich der tiefere Sinn hinter den Reisen: Gezielte Reisen in Naturschutzgebiete zur Beobachtung von Wildtieren leisten einen aktiven Beitrag zum Naturschutz. Indem sie der lokalen Bevölkerung und den Parkverwaltungen nachhaltige Einnahmen sichern, schaffen sie eine ökonomische Lebensgrundlage, die direkt dem Artenschutz zugutekommt. Zahlreiche Tierarten und Naturschutzgebiete wären ohne nachhaltigen Naturtourismus durch Wilderei oder Ausbeutung gefährdet. Letztlich stärkt das unmittelbare Beobachten der Tiere in ihrem Lebensraum das Bewusstsein für den Artenschutz und schafft eine tiefe emotionale Bindung zur Natur.

Meine Zeit wird nach dem Jubiläumsjahr phasenweise zu Ende neigen. Doch die Weichen für die Zukunft sind gestellt, damit diese wunderbare Reise weitergehen kann.
Mit Jérôme Fischer, einem ausgesprochen wertvollen und kompetenten Nachfolger – seit 20 Jahren bei LIBERTYBIRD als Reiseleiter tätig – ist bereits heute ein Profi in Stellung und stark im Geschäft involviert – wir freuen uns!

Herzlichst Mario Camici

1. November 2025

Der Gleitaar – ein eleganter Jäger auf Expansionskurs

Der attraktive Gleitaar (Elanus caeruleus) gehört zur Familie der Habichtartigen (Accipitridae). Sein weites Verbreitungsgebiet reicht von Afrika über Teile Europas und den Indischen Subkontinent bis nach China. Innerhalb dieses riesigen Areals zeigt sich der anpassungsfähige Greifvogel ausgesprochen vielseitig: Er bewohnt Savannen, Grasländer, Agrarlandschaften und sogar Feuchtgebiete.

Der Gleitaar führt ein nomadisches Leben und zieht auf der Suche nach ergiebigen Nahrungsquellen weit umher. Von Nordafrika aus hat er in den letzten Jahrzehnten seinen Lebensraum stetig nach Norden erweitert und ist über die Iberische Halbinsel bis nach Europa vorgedrungen. Von dort aus, führte er seine Expansion nach Südwestfrankreich fort. Die erste erfolgreiche Brut in Frankreich wurde 1990 festgestellt, und seither hat sich der Bestand rasant entwickelt: Heute leben in Frankreich schätzungsweise rund 1’000 Brutpaare – Tendenz weiter steigend. Dieses Jahr brütete der Gleitaar zum ersten Mal – und das erfolgreich – in Dänemark und Ungarn!

Bis Anfang der 1990er-Jahre galt der Gleitaar in der Schweiz noch als extreme Ausnahmeerscheinung – nur ein einzig dokumentierter Nachweis aus dem Kanton Zürich war damals bekannt. Im Zuge dieser Expansion wird der Gleitaar auch bei uns neuerdings regelmässig beobachtet: Inzwischen sind etwa 70 Nachweise bekannt – eine beeindruckende Entwicklung in kurzer Zeit.

Ein Gleitaar lässt sich zurzeit wunderbar im Grossen Moos zwischen Kerzers und Müntschemier beobachten. Dort sitzt er gern auf exponierten Warten und Hecken, von wo aus er nach Wühlmäusen Ausschau hält. Wer diesen faszinierenden Vogel in der Schweiz einmal eingehend beobachten möchte, hat jetzt eine ausgezeichnete Gelegenheit dazu – es lohnt sich! Das Vermeiden jeglicher Störung und das Bleiben auf den Wegen tragen dazu bei, dass sich der seltene Gast auch weiterhin bei uns wohlfühlt – und wer weiss: vielleicht auch schon bald bei uns zur Brut schreiten wird…?

24. August 2025

Beobachtungstipp Mornellregenpfeifer

Vor allem im Herbst zieht der Mornellregenpfeifer in kleiner Zahl durch die Schweiz. Dabei macht er an traditionellen Rastplätzen halt. Er bevorzugt karge, tundraähnliche Berggipfel und -rücken, vornehmlich in den Alpen, aber auch in geringer Zahl im Jura und im Mittelland.
Die ideale Zeit, um den Mornellregenpfeifer zu beobachten, sind die letzten August- und ersten Septembertage. Wer zu dieser Zeit den Cassonsgrat (Kt. Graubünden) oder die Silberen (Kt. Schwyz) erklimmt, hat die besten Chancen, diese charismatische Limikolenart in traumhafter Umgebung aus nächster Nähe zu beobachten. Etwas weniger anstrengend und schweisstreibend ist ein Besuch des Mt. Suchet und des Chasserals im Jura. Allerdings sind hier die Aussichten auf Erfolg erheblich geringer. Der am einfachsten zugängliche Ort sind die Felder um Portalban im Kt. Freiburg. Es handelt sich um den einzigen traditionellen Rastplatz im Mittelland, der jedes Jahr genutzt wird. Die Mornellregenpfeifer erscheinen dort in der Regel ein paar Tage früher als in den Alpen und bleiben nur kurz.
Derzeit halten sich seit einigen Tagen einige Vögel im Gebiet auf. Ein Ausflug dorthin könnte sich diese Tage durchaus lohnen …

20. Mai 2025

Photospot: Haselhuhn

Das Haselhuhn – Tetrastes bonasia ist eine kälteadapierte Art nördlicher Breiten, die unsere Wälder vermutlich zwischen den letzten beiden Eiszeiten besiedelt hat. Es ist eine von vier Raufusshuhnarten, die in der Schweiz brüten.

Als ausgesprochener Nahrungsspezialist bewohnt das Haselhuhn bei uns vor allem Jungwaldentwicklungsstadien mit ausgeprägter Strauchschicht. Ehemals kam das Haselhuhn auch im Mittelland vor; heute beschränkt sich sein stark geschrumpfter Lebensraum aufgrund der stark veränderten Waldnutzung der letzten 150 Jahre auf die montane bis subalpine Stufe im Jura und in den Alpen. Der Bestand in der Schweiz wird von der Vogelwarte auf 3000 – 5000 Paare geschätzt, er ist leicht rückläufig, das Haselhuhn wird bei uns als potenziell gefährdet eingestuft.

Als extrem standorttreue Art kennen Haselhühner ihre Reviere hervorragend. Aufgrund ihrer geringen Populationsdichte können ihre Reviere im unwegsamen Bergwald ziemlich groß sein. Daher ist diese von Natur aus sehr scheue Art bei uns in der Regel nur sehr schwer zu beobachten. Das schwirrende Flügelgeräusch eines am Wegesrand aufgeschreckten Vogels, der auf Nimmerwiedersehen vom Wald verschluckt wird, ist oft der einzige Eindruck, den die Art bei der verdutzten Beobachterin und Beobachter hinterlässt. ….

Jérôme Fischer hat sich jahrelang mit dieser Art befasst und kennt ihre Verhaltensbiologie und Habitatansprüche daher sehr gut . Nach monatelangem Sammeln von Hinweisen in einem Revier – dabei blieb es meist bei indirekten Feststellungen wie Spuren im Schnee und akustischen Nachweisen – gelang es ihm im Frühjahr, Fotos von einem der interessantesten und schönsten Brutvögel unseres Landes zu schiessen. Dieses Männchen hielt kurz auf einem überwachsenen Baumstrunk direkt vor Jérôme’s Versteck inne!

2. März 2025

Die Grauammer kurz vorgestellt

Die Grauammer gehört zur Familie der Ammern (Emberizidae) und ist der Gattung Emberiza zugeordnet. Die lateinischen Namen der Familie und der Gattung, Emberizidae bzw. Emberiza, leiten sich übrigens vom altdeutschen „Embritz, Embritze, Emmeritz“ = Ammer ab. Im Gegensatz zu den meisten anderen Familien in der Ordnung der Sperlingsvögel besitzen alle Ammern 9 statt 10 Handschwingen.

Die Grauammer ist farblich kein auffälliger Vertreter unserer Vogelwelt. Sie ist schlicht, grau & weiß gezeichnet, auf der Ober- und vor allem auf der Unterseite kräftig dunkel gestreift. Etwas Farbe verleihen ihr der gelbliche untere Teil des kräftigen Schnabels und die rosa/orangen Beine. Ihr kurzer, monoton schwirrender Gesang (hier anklicken) ist schwer zu orten, was für viele Singvogelarten der offenen Graslandschaften typisch ist. Sie trägt ihn oft von einer exponierten Warte aus, so dass man sie trotzdem einfach findet.

Leider ist dieser Gesang in der Schweiz weitgehend verstummt. Einst ein häufiger Vogel des Kulturlandes, ist ihr Bestand wegen Intensivierung der Landwirtschaft in nur wenigen Jahren drastisch eingebrochen. Im Jahr 2017 gab es in der Schweiz nur noch wenige Sänger, verteilt auf drei kleine Populationen in der West-/Ostschweiz und im Mittelland. Die Art steht heute auf der Roten Liste und wird als „vom Aussterben bedroht“ eingestuft. Der Bestand hat sich auf etwa 100 Paare eingependelt.

Ihr langfristiges Überleben bei uns ist wohl nur mit gezieltem aufwändigem Artenschutz gewährt, wie ihn BirdLife & die Vogelwarte in Zusammenarbeit mit Landwirten betreibt. Die Grauammer ist nämlich auf extensive Wiesen mit Kleinstrukturen wie Hecken und Buntbrachen angewiesen. Solche Förderflächen bestehen heute im Grossen Moos, bei Genf und dem Schaffhauser Klettgau.

LIBERTYBIRD bietet auch dieses Jahr wieder Kurzreisen und Exkursionen ins Verbreitungsgebiet der Grauammer in der Schweiz an. Lucas Lombardo ist als Projektleiter Artenförderung bei BirdLife direkt am Schutz der Art beteiligt! Auf diesen spannenden Reisen erhalten Sie Wissen aus erster Hand und Einblicke in den gezielten Artenschutz!

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